
Zehn Tage lang bereiste während der Herbstferien eine Reisegruppe aus unserer unter der Leitung von Pfarrer Michael Klesy das Heilige Land, Israel. Dabei besuchten die Pilger die Orte der Bibel, aber auch wichtige historische Ausgrabungen und Stätten von aktueller Bedeutung. Neben dem umfangreichen Besichtigungsprogramm war auch noch Zeit für ein Bad im Toten Meer oder einen Bummel durch den Basar in Jerusalem.
Schwerpunkt der Reise aber war das biblische Israel. An vielen zentralen Orten des Alten oder Neuen Testaments wurden die entsprechenden Bibelstellen gelesen oder Andachten gefeiert, so z.B. an der Kirche der Seligpreisungen oberhalb des See Genezareth oder im Gartengrab in Jerusalem.
Die Gruppe machte Halt u.a. an der Stätte der Brotvermehrung in Tabgha (Matth. 15, 14 ff.) und besichtigte in Kapernaum das Haus von Petrus. Nazareth wurde ebenso besucht wie die Quellen des Jordan, das alte Cäsarea am Mittelmeer oder die Ausgrabungen von 26 (!) unterschiedlichen Kulturschichten in Megiddo (Armageddon). Mit einem Taxibus ging es über Schwindel erregende Kurven hinauf zum Berg Tabor, der Städte der Verklärung Jesu (Matth. 17).
In den Golanhöhen lernten die Reisenden viel über das aktuelle Israel, das israelische Selbstverständnis und die Versuche, sich mit den Nachbarn zu versöhnen oder zumindest friedlich zu arrangieren. Viele waren vom Wunder begeistert, dass nach fast 2000 Jahren Vertreibung aus dem Gelobten Land die Juden 1947 wieder nach Israel zurückkehren konnten.

In Jerusalem stand natürlich der Kreuzweg und seine Stationen im Zentrum der Besichtigungen: Ölberg, die Kirche Dominus Flevit, das Haus des Hohenpriesters Kaiphas und die Grabeskirche. Daneben erhielten die Reisenden einen intensiven Einblick in die Frömmigkeit der Juden an der Klagemauer oder im orthodoxen Stadtviertel und besichtigten viele Ausgrabungen aus der Zeit Jesu, so z.B. an der Klagemauer oder sogar unterhalb von Wohnvierteln.
Während des Besuchs in Yad Va’Shem, der Holocaust-Gedenkstätte, war die Reisegruppe individuell tief berührt von der besonderen Art des Gedenkens: In Yad Va’Shem wird an die unzähligen Namen derjenigen erinnert, die dem Holocaust zum Opfer fielen. Besonders bedrückend war das Denkmal für die 1,5 Mio. Kinder, denen die Möglichkeit genommen wurde, selbst ihren Namen an die nächste Generation weiterzugeben. Im Denkmal werden monoton und immerwährend die Namen aller getöteten Kinder vorgelesen, was allein ungefähr 2 Monate dauert und die Dimension der Grausamkeit noch einmal ganz anders veranschaulicht.
Abends gab es nach dem Besichtigungsprogramm interessante Gespräche, darunter mit dem deutschen Journalisten Johannes Gerloff (KEP) in Jerusalem und dem palästinensischen Christen Johnny Shavan in Bethlehem. Gerloff dabei warb für eine neutralere Sicht auf die israelische Politik und erzählte spannende Geschichten über das Zusammenleben von Juden und Arabern, berichtete aber auch von in Deutschland weitgehend unbekannten Zusammenhängen innerhalb der Palästinensischen Autonomiebehörde. Der Besuch bei Johnny Shavan bewegte die Reisenden ganz besonders: Als Christ und Missionar in seine eigene Heimat zurückgesandt baute er mit seiner deutschen Frau ein Begegnungszentrum in Bethlehem auf, in dem viele arbeits- und perspektivlose junge Menschen eine Heimat gefunden haben, das aber auch seit vielen Jahren aktive Friedenserziehung unter den Kindern in diesem Autonomiegebiet anbietet.
Auf dem Weg zum Roten Meer, wo sich die Reisegruppe teilte, weil etliche Teilnehmer noch nach Ägypten zum Berg Sinai und zum Katharinenkloster weiter reisten, gab es noch Haltepunkte in Ein Gedi, einer Oase mitten in der Steinwüste, bei der Bergfestung Masada und natürlich am Toten Meer. Hier nutzen viele die Gelegenheit zum Baden in diesem besonderen Wasser mit 31% Salzgehalt und Salzkristallen am Boden.
Viele Orte auf dem Reiseprogramm strahlten eine besondere Heiligkeit, eine besondere Bedeutung aus, die auch die Pilger aus Obertshausen berührte. Der Naturreichtum und die Fruchtbarkeit am See Genezareth und gleichzeitig die schroffen Berge der Wüste im Süden zeigten ein schönes Land. Die Klagemauer am Vorabend des Sabbat, die Grabeskirche und natürlich der über Jerusalem thronende Felsendom der Muslime zeigten den religiösen Mittelpunkt. Die Begegnungen innerhalb der Gruppe, die Gedanken aus den Andachten und die Eindrücke der besuchten biblischen Orte nahmen die Reisenden gefangen und machten so die ganze Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis. Pfarrer Michael Klesy ist zuversichtlich, in einigen Jahren erneut eine Israel-Reise anbieten zu können.
