Vakanzvertretung durch Pfarrer Mario Fischer
In der Zeit von Dezember bis April wird Pfarrer Mario Fischer aus Steinheim in unserer Gemeinde aushelfen und Pfarrer Ralf Richter unterstützen.
In den kommenden Wochen kann es deshalb sein, dass wir Pfarrer Fischer bei Gottesdiensten in der Kirche, im Haus Jona oder auf dem Friedhof begegnen. Damit er uns dann nicht völlig unbekannt ist, stellen wir ihn hier vor.
Frage: Was waren die wichtigsten Stationen in Ihrem Leben bisher?
Mario Fischer: Ursprünglich stamme ich aus Darmstadt. Ich habe Theologie und Philosophie in Mainz, Marburg, Rom und München studiert. Danach war ich Vikar in drei Dorfgemeinden an der Lahn. Die Kirche der kleinsten dieser drei Gemeinden haben Sie bestimmt schon einmal gesehen. Auf dem Etikett jeder Selters-Mineralwasserflasche ist der kleine Ort Selters mit der Kirche in der Mitte abgebildet. Im vergangenen Jahr habe ich in Wien bei der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa gearbeitet. Es war sehr spannend, die gegenwärtigen Herausforderungen der unterschiedlichen evangelischen Kirchen in Europa kennen zu lernen und daran mitzuarbeiten, wie man sich diesen Herausforderungen stellen kann. Nun bin ich wieder im Gemeindedienst der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und arbeite seit Januar als Pfarrer in Steinheim am Main.
Frage: Wo hat Sie Gott dabei besonders geführt?
M.F.: Es gab immer wieder Zeiten in meinem Leben, in denen ich mich fragte, ob ich einen eingeschlagenen Weg weiter verfolgen und durchhalten soll oder ob ich nicht den Mut aufbringen soll, etwas Neues zu beginnen. Da war es gut zu wissen, dass Menschen für mich beten und dass Gott mit mir auf dem Weg ist.
Dabei wandelte sich in den verschiedenen Lebensphasen auch mein Verhältnis zu Jesus. In meiner Kindheit war es geprägt von Jesus dem guten Freund, der die Kinder aber auch Zachäus zu sich ruft. In der Jugend, in der mir die Unausweichlichkeit des eigenen Schuldigwerdens bewusst wurde, war es der Erlöser am Kreuz, welchem ich mich anvertraute.
Und seit einigen Jahren ist mir in meiner Frömmigkeit der auferstandene Christus besonders wichtig, der herrschende Christus, der zugleich schon an der Schöpfung beteiligt war. Sich zu ihm als dem Herrn zu bekennen bleibt nicht ohne Auswirkungen auf das eigene Leben.
Frage: Welche Gaben können Sie in die Gemeinde einbringen?
M.F.: Dies ist eine schöne Frage. Doch sie erweckt vielleicht falsche Begehrlichkeiten. Die wichtigere Frage ist zunächst, in welchen Arbeitsfeldern ich Pfarrer Ralf Richter Arbeit abnehmen kann, da ich auch nur einen zeitlich eingeschränkten Dienstauftrag habe. Dies wird auf jeden Fall im Bereich der Gottesdienste und auch der Bestattungen möglich sein. Alles Weitere werde ich in den kommenden Wochen mit ihm besprechen.
Frage: Welche Bibelstelle begleitet Sie aktuell?
M.F.: In den Herbstmonaten habe ich mich in meiner täglichen Bibellese mit dem Volk Israel in die Wüste begeben, und ich war erstaunt, was gerade die Kapitel der Bibel, die von Reinheitsvorschriften und Bauvorgaben für das Zelt der Begegnung des Volkes mit Gott handeln, darüber aussagen, wie wir Gott in unterschiedlichen Lebensphasen und Lebenssituationen erfahren. Immer wieder drückt sich darin aus, dass Gott sich ein gutes Miteinander der Menschen wünscht, das dadurch geprägt ist, dass er selbst in ihrer Mitte ist.
Nun in der Adventszeit verweile ich bei den ersten Kapiteln des Lukasevangeliums. Gerade in den drei Lobgesängen in den ersten beiden Kapiteln des Lukasevangeliums zeigt sich, wie das Christusereignis die Welt völlig verändert – wie sich das Warten der Menschheit erfüllt und zugleich im Leben einzelner Menschen das Unerwartete eintrifft und sich daraus erahnen lässt, dass die Selbstverständlichkeiten des Lebens umgedreht werden, wenn Gott in unser Leben und in die Zeit tritt.
Frage: Was möchten Sie noch über sich preisgeben?
M.F.: Mir liegt die Ökumene besonders am Herzen. Seit vielen Jahren arbeite ich in verschiedenen ökumenischen Zusammenhängen. In Auseinandersetzung mit Christinnen und Christen anderer Konfessionen können wir erfahren, dass manche Aspekte des Glaubenslebens, welche wir selbst vielleicht vernachlässigen, ebenso zur Fülle des Glaubens gehören und uns neue Zugänge zu Gott ermöglichen.
In meiner Freizeit engagiere ich mich als aktives Mitglied der Einsatzabteilung der der Freiwilligen Feuerwehr Steinheim. Ich erkenne hierin einen wichtigen Dienst an den Menschen, dem ich mich ja auch als Pfarrer verpflichtet habe.
Vielen Dank für das Gespräch.
(Die Fragen stellte Thomas Meyer-Haugwitz)